EHEC-Erreger: Lage von Patientin aus der Südpfalz stabilisiert sich
veröffentlicht am 28.05.2011

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmerreger EHEC hat sich in Deutschland am Samstag auf neun erhöht. Drei weitere Menschen erlagen im Norden der Infektion. Die Lage einer an der schweren Form erkrankten Frau in Rheinland-Pfalz hingegen stabilisierte sich.
Berlin - Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmerreger EHEC hat sich in Deutschland am Samstag auf neun erhöht. Drei weitere Menschen erlagen im Norden der Infektion. Die Lage einer an der schweren Form erkrankten Frau in Rheinland-Pfalz hingegen stabilisierte sich. Aus Angst vor dem Erreger meidet unterdessen die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge Gemüse wie ungekochte Tomaten, rohe Gurken und Salat.
In einem Krankenhaus im Kreis Herzogtum-Lauenburg in Schleswig-Holstein starb am Samstag laut dem schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerium eine 84-Jährige an den Folgen des sogenannten Hämolytisch-Urämischen Syndroms (HUS). In der Nacht war bereits eine 87-Jährige in Hamburg verstorben, wie eine Sprecherin des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) sagte. Erst am Samstag wurde bekannt, dass in Kiel am Donnerstag auch eine 38-Jährige der schweren Darminfektion erlegen war. Die Frau war aus einem anderen Krankenhaus verlegt worden. "Sie hatte keine Vorerkrankungen", sagte eine Sprecherin des Städtischen Krankenhauses auf dapd-Anfrage. Ihr Zustand sei bereits bei der Einlieferung in Kiel kritisch gewesen.
Der Gesundheitszustand der an der schweren Form der EHEC-Infektion erkrankten Frau aus der Südpfalz hingegen stabilisierte sich. Die 58-Jährige spreche auf die Therapie an, ihr Zustand sei kritisch-stabil, sagte eine Sprecherin des Städtischen Klinikums Karlsruhe am Samstag. Die Patientin werde jedoch weiterhin künstlich beatmet und sei noch nicht ansprechbar. Die an HUS-leidende Frau liegt seit Mittwoch auf der Intensivstation des Krankenhauses.
Mögliche neue Erkenntnisse zum Erreger hat nach einem Medienbericht eine Spanierin geliefert, die als Feldarbeiterin in der Nähe der südspanischen Stadt Murcia gearbeitet hatte. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag berichtete, war die Frau gerade in der Schweiz, als sie Durchfall bekam. Als brisant werteten die Beamten nach "Focus"-Informationen, was die Spanierin über die Anbaumethoden ihrer Arbeitgeber berichtete: Sie habe zwei Firmen genannt, die Abwässer für die Bewässerung ihrer Plantagen benutzt hätten.
Die Firmen exportierten Obst, Tomaten, Gurken und Auberginen. Experten halten dem Bericht zufolge diesen Verseuchungsweg für plausibel. "In trockenen Zeiten greifen Landwirte manchmal auf eigene Wasserreservoirs zurück, die kontaminiert sein können", sagte der Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin in Aachen, Wolfgang Dott, dem Blatt .
Aus Angst vor EHEC achtet die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge derzeit besonders auf ihre Gemüseauswahl. 58 Prozent der Deutschen folgen dem Rat des Robert-Koch-Instituts (RKI) und verzichten auf den Verzehr von rohen Gurken, ungekochten Tomaten und Salat, wie eine Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" ergab. 41 Prozent folgen dem Expertenrat nicht.
Besonders vorsichtig sind nach der am Samstag veröffentlichten Erhebung Senioren. Während in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen nur 44 Prozent angaben, derzeit kein rohes Gemüse mehr zu essen, verzichten 71 Prozent der befragten Senioren ab 60 Jahren darauf. Nur 27 Prozent wollen trotz des Erregers auch weiterhin rohes Gemüse essen, wie aus der Befragung der 500 Menschen ab 14 Jahre hervorgeht.
Unterdessen steigt die Zahl der an einer schweren Darminfektion erkrankten Menschen im Norden der Republik immer weiter an. Allein in Schleswig-Holstein gab es bis Freitagabend 73 bestätigte HUS-Fälle, wie ein Sprecher des Kieler Gesundheitsministeriums sagte. In Niedersachsen leiden mittlerweile 42 Menschen daran. Am Freitag lag die Zahl bei 35, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover. Es müsse weiterhin von einem dynamischen Infektionsgeschehen ausgegangen werden. (© AP)




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