Freiwillige des Kirchentags kommen aus Kenia und Uganda
veröffentlicht am 26.05.2011

Das weiße Speisezelt für die Kirchentagshelfer ist noch leer, die Luft ist stickig. Hunderte Biertische und Bänke reihen sich aneinander. Am rechten Rand steht eine Gruppe vier junger Frauen, sie alle tragen ein rosafarbenes Tuch.
Dresden - Das weiße Speisezelt für die Kirchentagshelfer ist noch leer, die Luft ist stickig. Hunderte Biertische und Bänke reihen sich aneinander. Am rechten Rand steht eine Gruppe vier junger Frauen, sie alle tragen ein rosafarbenes Tuch. Die jüngste von ihnen, die 19-jährige Miriam Gohl, hat einen kleinen Schweinchen-Anstecker auf ihrer Pfadfinderweste. Der Pin kennzeichnet sie als "Clanführerin" in der Gruppe der "Hakas". Die Hakas sind Freiwillige, die mehr als neun Tage Arbeit für den Kirchentag opfern.
Gohl stellt vier Putzeimer auf einen der Holztische. Auf Englisch bittet sie ihre Begleiterinnen zur Arbeit. "Sawa Sawa", antwortet eine der drei - Elizabeth Maureen - "in Ordnung" auf Suaheli. Sie prüft nochmals, ob der Zopf für ihre langen schwarzen Haare hält und taucht die Hände ins Wasser. Maureen ist mit ihren Begleiterinnen aus Ostafrika angereist, um mehr als zwei Wochen lang beim Kirchentag auszuhelfen. Als Freiwillige wurden die drei Afrikanerinnen Gohl zugeteilt.
Maureen, die schon als kleines Kind in die evangelische Kirche ging, hat damit zum ersten Mal ihren Kontinent verlassen. "Meine Schwester ist jetzt schon zum dritten Mal auf dem Kirchentag, da wollte ich das auch mal kennenlernen", sagt sie. Die 23-Jährige ist noch Studentin, für das Flugticket baten die Geschwister Freunde und Familienmitglieder um Unterstützung.
"Ich bin nach Dresden gekommen, um die vielen jungen Menschen aus aller Welt zu treffen", sagt Maureen. Ihr erster Eindruck: "Alles ist so durchorganisiert hier." So erhielten die drei Gäste von den Kirchentagsveranstaltern gleich nach ihrer Ankunft schwarze T-Shirts mit der Aufschrift "Helfen und gewinnen". Sogar die Putzlappen der vier Ehrenamtlichen sind motivlich abgestimmt - in grün und rosa, den Farben des Kirchentags.
Nach dem Putzen müssen die vier beim Mittagessen helfen: Sie sollen die von einer Catering-Firma zubereiteten Speisen an die anderen Freiwilligen austeilen. "Die futtern einiges weg", sagt Gohl. In der Vorbereitungswoche essen in dem weißen Zelt noch rund 250 Helfer, während des Kirchentages sind es bis zu 6.000.
Bevor die weitgereisten Freiwilligen an die Essensausgabe dürfen, muss Gohl sie aber noch mit den strengen Hygienestandards vertraut machen. "Bitte wascht euch vorher die Hände und umarmt euch nicht während der Mittagszeit", übersetzt sie eine entsprechende Anweisung. Wegen der Infektionswelle mit dem EHEC-Erreger achten die Kirchentagsveranstalter ganz besonders auf die Sauberkeit. Die jungen Frauen, die Goldkreuze, Armreifen und Ringe tragen, müssen ihren Schmuck ablegen. Anschließend legen sie sich Plastikschürzen um.
"Wann essen wir eigentlich?", fragt Maureens Schwester Georgia Omwa besorgt. Auf ihrer Stirn zeichnen sich schon einige Schweißperlen ab. "Es ist ein bisschen wärmer als zu Hause", ergänzt sie. Die vier Freiwilligen arbeiten hier täglich von elf bis 15 Uhr – ohne Geld, versteht sich. Die Ehrenamtlichen beim Kirchentag leisten insgesamt bis zu 40.000 Stunden.
Für Omwa, die Theologie studiert, ist das Ehrensache. Ihre Freundin Martha Masinde ist Pfarrerin in Nairobi, sie arbeitet mit Witwen, Waisen und Kindern. "Die Gäste des Kirchentags sind sehr jung, und ich will auch von ihnen lernen".
Miriam Gohl dagegen ist konfessionslos. Sie freut sich einfach, alte Bekannte wiederzusehen. "Mir war es wichtig, dass die Veranstaltung nicht von den evangelischen Landeskirchen organisiert wurde", sagt die 19-Jährige, die sich schon bei drei früheren Kirchentagen engagierte. "Und die meisten Helfer sind nicht kirchlich, sondern gehören der bündischen Jugend an." Sie selbst war jahrelang bei den Pfadfindern, derzeit leitet sie eine Kindergruppe in ihrer Heimat.
Zum Mittagessen serviert die Gruppe drei Menüs – Pasta, Sauerkraut mit Kartoffeln und Rostbratwurst oder Tofu. Gegen 14 Uhr dürfen die vier endlich selbst essen. Bratwurst, versteht sich. "Schmeckt super gut", freut sich Omwa.
Am Nachmittag müssen die jungen Frauen noch weitere Tische und Bänke aufbauen. Denn ohne ihre Unterstützung würde die wirkliche Schar der Kirchentagshelfer, die ab Montag eintreffen, gewaltig Hunger schieben. (© AP)




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