Ambulante Operateure wollen mehr Geld sehen
veröffentlicht am 27.01.2011

Patienten müssen nach Darstellung der niedergelassenen Ärzte unnötig oft wegen kleiner Operationen ins Krankenhaus - und der Trend könnte sich bald noch verstärken. Hintergrund ist ein Streit um Honorare. Eine Gesetzesänderung deckele seit Jahresbeginn die Vergütungen für ambulantes Operieren, erklärten die Kassenärztliche Bundesvereinigung und diverse ärztliche Berufsverbände am Donnerstag in Berlin.
Berlin - Patienten müssen nach Darstellung der niedergelassenen Ärzte unnötig oft wegen kleiner Operationen ins Krankenhaus - und der Trend könnte sich bald noch verstärken. Hintergrund ist ein Streit um Honorare. Eine Gesetzesänderung deckele seit Jahresbeginn die Vergütungen für ambulantes Operieren, erklärten die Kassenärztliche Bundesvereinigung und diverse ärztliche Berufsverbände am Donnerstag in Berlin. Folge könnten längere Wartezeiten für Patienten oder die Einweisung in die Klinik sein.
Routineeingriffe wie kleine Knochenkorrekturen, die Entfernung von bösartigen Hautveränderungen oder Leistenbruchoperationen werden häufig in spezialisierten Arztpraxen vorgenommen und die Patienten nach wenigen Stunden nach Hause geschickt. Im Jahr 2009 wurde nach Angaben der KBV rund 3,8 Millionen Mal ambulant operiert und dafür 1,56 Milliarden Euro abgerechnet. Da die Zahl der ambulanten OPs stark gestiegen ist - die KBV spricht von einem Zuwachs von elf Prozent allein 2009 - wurde nach Darstellung der Ärzteverbände mit der Gesundheitsreform zu Jahresbeginn ein Honorardeckel eingeführt.
"Das ist in keiner Weise nachvollziehbar", sagte Ansgar Pett, Vizepräsident des Bundesverbands Ambulantes Operieren. Die Eingriffe ohne Krankenhausaufenthalt kosteten die Krankenkassen deutlich weniger, sie seien bei Patienten äußerst beliebt und trügen dazu bei, gefährliche Krankenhausinfektionen zu vermeiden. Es werde nicht zu viel ambulant operiert, sondern zu wenig.
Würden wirklich alle dafür geeigneten Operationen ambulant statt mit Krankenhausaufenthalt vorgenommen, könnten die Krankenkassen jährlich 540 Millionen Euro sparen, rechnete Pett vor. Kliniken neigten dazu, die Patienten doch für ein oder zwei Tage aufzunehmen, weil sie dafür mehr Geld bekämen. "Es wird immer versucht, ein DRG zu generieren", sagte Pett. Gemeint ist eine Fallpauschale für den Aufenthalt im Krankenhaus.
Er appellierte an die Krankenkassen, sich für "intelligente Lösungen" in der Honorarfrage zu öffnen und kündigte eine Öffentlichkeitskampagne auch bei den Patienten an. Darüber hinaus planen die Ärzteverbände im Rechtsstreit über Zuschläge für ambulantes Operieren Klagen vor dem Bundessozialgericht und dem Bundesverfassungsgericht, wie die KBV und der Verband LAOH mitteilten.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung wies die Kritik zurück. Tatsächlich stiegen die Honorare für niedergelassene Ärzte insgesamt dieses Jahr um 1,3 Milliarden Euro, erklärte Verbandssprecher Florian Lanz auf dapd-Anfrage. Ein Teil davon werde für die Erhöhung der Vergütung für ambulantes Operieren verwendet. "Wenn man mehr bekommt, sollte man nicht so tun, als ob alles schlechter wird", meinte Lanz. "Man kann nur verwundert den Kopf schütteln, dass bei solchen Steigerungen einfach immer noch mehr verlangt wird." (© AP)




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