Eine Königin aus Heidelberg
veröffentlicht am 18.12.2008

Als «Königin Silvia von Schweden, Mutter von drei Kindern» wirbt sie um Unterstützung für ihre Hilfsorganisation World Childhood Foundation. In den 70er Jahren war sie als bildhübsche Bürgerliche, die wie im Märchen das Herz eines Prinzen erobert, ein Liebling der bunten Presse. Seither ist die gebürtige Silvia Sommerlath aus Heidelberg auch für die Deutschen immer irgendwie auch «ihre» Königin.
Berlin - Als «Königin Silvia von Schweden, Mutter von drei Kindern» wirbt sie um Unterstützung für ihre Hilfsorganisation World Childhood Foundation. In den 70er Jahren war sie als bildhübsche Bürgerliche, die wie im Märchen das Herz eines Prinzen erobert, ein Liebling der bunten Presse. Seither ist die gebürtige Silvia Sommerlath aus Heidelberg auch für die Deutschen immer irgendwie auch «ihre» Königin. Einen Tag vor Heiligabend wird sie 65 Jahre alt.
Charmant, volksnah und sozial engagiert, ist sie in ihrer alten Heimat so beliebt wie in der neuen. In einer Forsa-Umfrage voriges Jahr nach den vertrauenswürdigsten Deutschen landete Königin Silvia als beste Frau weit vorne auf Platz acht, sehr weit vor Kanzlerin Angela Merkel auf Platz 30. Dazu mag beitragen, dass sie oft in Deutschland ist und keine Gelegenheit auslässt, - inzwischen mit deutlich schwedischem Akzent - für ihre Hilfsprojekte zugunsten vor allem von Kindern und Behinderten die Trommel zu rühren. Neben etlichen Fremdsprachen hat sich die gelernte Dolmetscherin auch die Gebärdensprache angeeignet, um mit Gehörlosen besser kommunizieren zu können.
Geboren wurde sie am 23. Dezember 1943 in Heidelberg und wuchs jahrelang in Sao Paulo in Brasilien auf, wo ihr Vater Walter Sommerlath als Manager tätig war. Ihre Mutter Alice de Toledo war Brasilianerin spanischer Herkunft. 1957 kehrte die Familie mit der Tochter und den drei älteren Söhnen nach Deutschland zurück. Silvia ging in Heidelberg zur Schule, machte in Düsseldorf Abitur und absolvierte eine Sprachenausbildung in München.
Dort arbeitete sie 1972 bei den Olympischen Spielen als Chefhostess, betreute prominente Gäste und erlebte privat einen «ganz besonderen Augenblick», wie sie einmal gestand. «Und zwar, als mich während der Eröffnungsfeier eine Person mit dem Fernglas beobachtet hat, und ich dann nachher entdeckte, dass es ein sehr sympathischer junger Mann war. Ich wusste ja nicht, dass es der schwedische Kronprinz war», sagte sie. «Es hat einfach nur "klick" gemacht.»
Am 19. Juni 1976 heiratete sie den jungen Mann mit dem Fernglas, der inzwischen als König Carl XVI. Gustaf den schwedischen Thron bestiegen hatte. An der Trauungszeremonie in Stockholm wirkte auch ihr Onkel mit, der damals schon 87 Jahre alte Leipziger Theologe Ernst Sommerlath. Den Familientreffen in den 60er Jahren beim «heiligen Ernst», wie der Onkel bei den Sommerlaths genannt wurde, verdankt sie Einblicke in das Alltagsleben in der DDR. Wenn sie bei den Besuchen mit der Straßenbahn von Markkleeberg nach Leipzig gefahren seien, habe sie vom Onkel immer wieder den Satz gehört: «Wenn du Menschen Schlange stehen siehst, dann steigen wir aus!», berichtete sie einmal bei einem Besuch in Sachsen. Das weltläufige Kind aus dem Westen lernte: Wenn Menschen irgendwo anstanden, gab es womöglich Bananen oder Apfelsinen zu kaufen.
Als Königin von Schweden wurde Silvia, ebenso sportlich und naturverbunden wie ihr Mann, bald zum beliebtesten Mitglied des Königshauses. Neben den offiziellen Pflichten und den Kindern - Kronprinzessin Viktoria (geboren 1977), Prinz Carl Philip (1979) und Prinzessin Madeleine (1982) - widmete sie sich karitativen Aufgaben und wurde für ihr vielfältiges Engagement im Lauf der Jahre mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, von der Albert-Schweitzer-Medaille bis zum Bambi. Ein Herzensanliegen ist ihr der Kampf gegen Ausbeutung und Missbrauch von Kindern vor allem mit der World Childhood Foundation, die auch in Berlin einen Ableger hat.
Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Als Schirmherrin eines Weltkongresses gegen Kinderpornografie und -prostitution wetterte Königin Silvia so rundheraus gegen diese «moderne Form der Sklaverei» und forderte eine schärfere Bestrafung von Kinderschändern, dass ihr in Schweden vorgehalten wurde, sie habe sich nicht so deutlich zu politischen Fragen zu äußern.
(© AP)




